Geologie und Geschichte

Poppo-Stein (Hünengrab aus der Jungsteinzeit)

Erdgeschichtlich gesehen ist Schleswig-Holstein ein sehr junges Land. Es verdankt seine Entstehung den Gletschern, die bei ihrem Vordringen aus Skandinavien Mengen von Geröll und Steine vor sich her schoben. Nach dem Abschmelzen der Eismassen blieben ”Berge” von Schutt und Steinen liegen und bildeten so die Oberflächenstruktur des Landes. Die bis zu 500 Meter hohen Eisgletscher senkten durch ihr Gewicht den Erdboden, und isolierten soviel Wasser in sich, dass die Nord- und Ostsee trocken fielen.

Auf der sehr interessanten Webseite "Strand und Steine" wird man umfassend informiert.

Auf dem Meeresboden entwickelten sich Tundra und Wälder. Die ersten Menschen besiedelten als Jäger und Sammler das Land. Sie konnten England auf dem Landweg erreichen. Erst nach Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren, und dem Abschmelzen der Gletscher folgte wieder ein Anstieg des Meeresspiegels. Durch den fehlenden Eisdruck hob sich der Erdboden. Beides ist noch heute in abgeschwächter Form im Gange. Nord und Ostsee liefen wieder voll Wasser.

Idstedter Räuberhöhle (Ganggrab)


In der Höhe von Schleswig war eine Nord – Südpassage nur auf einer Breite von ca. 7 Kilometern möglich. An dieser strategisch wichtigen Stelle errichteten etwa im Jahre 800 die Wikinger mit Haithabu den wichtigsten und größten Handelsplatz von Nordeuropa.

Außer dem Nord- Südhandelsweg (Auch Ochsen- oder Heerweg genannt) entwickelte sich dort auch ein Ost- Westhandelsweg. Kostbare Waren kamen aus dem Osten (Asien, Russland) mit dem Schiff über die Ostsee und die Schlei bis Haithabu. Bis zu 18 Anlegebrücken konnten im Haddebyer Noor nachgewiesen werden. Auf dem Landwege wurden dann die Güter nach Westen bis zum heutigen Hollingstedt an der Treene transportiert. Ab dort ging es dann wieder mit dem Schiff weiter über die Nordsee. Zum Schutz entstand hier die größte Verteidigungsanlage von Nordeuropa, das Danewerk, eine gewaltige Wallanlage von ca. 30 Kilometer Länge, die zum Teil noch heute erhalten ist., und zur Zeit als Wanderstrecke ausgebaut wird.

Guly Thing Thingplatz Gulde bei Stoltebüll

 Ab 800 n. Chr. siedelten an der Westküste die Friesen. Sie lebten lange Zeit mehr schlecht als recht mit den Tücken der Nordsee, bevor sie auf die Idee mit den Deichen kamen. Durch schwere Sturmfluten ging viel Land verloren, und Tausende kamen in den Fluten um. Die Friesen waren daran nicht ganz unschuldig. Denn durch den Torfabbau senkten sie ihr eigenes Land, so dass die mörderische Nordsee ein leichtes Spiel hatte.

Inzwischen ist natürlich alles dort, wo es nötig ist, mit Deichen abgesichert. Das Oberflächenwasser wird über Siele bei Ebbe in die Nordsee entwässert. Bei ansteigendem Meeresspiegel (Flut) schließen diese Sieltore durch den Wasserdruck von außen, und das Oberflächenwasser muss bis zur nächsten Ebbe warten, um abfließen zu können.

 Das Gebiet zwischen Flensburg und Schleswig war immer zwischen  Dänen und Deutschen hart umkämpft.

 Düppeler Schanzen (DK) zwischen Gravenstein und Sonderborg

Der Krieg um Schleswig-Holstein wurde schon lange vor der Schlacht um die Düppeler Schanzen entschieden. Ausschlaggebend war der preußisch-österreichische Schlachtplan, nach dem die Österreicher die Wallanlagen des Danewerks frontal angreifen sollten, während die Preußen die Schlei überschreiten, die Dänen von hinten umgehen und einschließen sollten. Die Dänen hatten sich auf den Frontalangriff vorbereitet und über Jahre die schon im Mittelalter genutzte Verteidigungslinie zwischen Schlei und Treene mit riesigem Aufwand zu einem der modernsten Festungswerke Europas ausgebaut. 35.000 Soldaten sind hier zusammengezogen. Zur Abwehr der preußischen Sichelbewegung hätte de Meza jedoch 50.000 gebraucht. Er gibt den Befehl zur kampflosen Räumung und lässt gewaltige Werte zurück: 135 Geschütze, 113 Zentner Pulver, 136.000 Schuss Munition, Unmengen an Werkzeug, Decken, Stroh, Heu, Holz und Speck.


Bei Oeversee – gut zehn Kilometer vor Flensburg – ereignet sich zwischen der dänischen Nachhut und den Alliierten eines der schwersten Gefechte des Krieges. Dänische Einheiten haben sich bei einem Höhenkamm am Sankelmarker See postiert, um die Verfolger an der engen Stelle zwischen Hügeln und Gewässer aufzuhalten. Trotz der höheren Feuerkraft der Angreifer behalten die Dänen zunächst die Oberhand. Erst in einem blutigen Bajonett-Kampf Mann gegen Mann werden sie zurückgeschlagen. Die Bundestruppen zahlen einen hohen Preis: 95 von ihnen fallen, 346 werden verwundet. 40 Dänen kommen um, 134 werden verwundet, 600  gefangen genommen. Am nächsten Morgen ziehen Flensburger Bürger aufs Schlachtfeld hinaus, um sich ungeachtet der Nationalität um die Verletzten und Toten zu kümmern.


Während sich die dänischen Truppen nach Düppel und Fredericia zurückziehen, fordert Prinz Friedrich Karl, Oberbefehlshaber des alliierten I. Korps, in Berlin die Lieferung von schwerem Belagerungsgeschütz an. „Es geht hier fortwährend Kriegsmaterial aller Art hindurch, bisher sämtliches aus preußischen Festungen“, schildert die „Schleswig-Holsteinische Zeitung“. Damit ist vor allem Artillerie gemeint, Ausrüstungsgegenstände für das Lazarettwesen oder Sendungen des Feldpostdienstes registriert der Augenzeuge ebenso. „Gestern Nachmittag war der Zugang zum Bahnhof umlagert von bespannten und unbespannten Blockwagen mit Blei, Pulver, Hohlgeschossen und anderem mehr.“ Trotz der schweren Schneeverwehungen, in denen selbst der Zug des preußischen Kronprinzen stecken blieb, konnten die modernen Gebirgslokomotiven mit riesigen Schneepflügen aus dem sächsischen Chemnitz insgesamt 230 Geschütze herantransportieren.


Im Gegensatz zu den dänischen Bronzekanonen war die preußische Artillerie überwiegend mit von Alfred Krupp entwickelten Geschützen aus Stahl ausgerüstet. Die waren allen anderen Kanonen ihrer Zeit nicht nur in Reichweite und Treffsicherheit überlegen, sondern durch das 1857 entwickelte Hinterladersystem auch in der Feuergeschwindigkeit. Als Krupp diese 1867 durch die Entwicklung des Rundkeil-Verschlusses perfektioniert, wurde die Überlegenheit im deutsch-französischen Krieg 1870/71 verheerend. Die Feldkanone C/67 vom Kaliber 8 cm feuerte bis zu zehn Schuss pro Minute bis zu 3 450 Meter weit und übertraf die französischen Waffen um das Doppelte. Das entschied die Schlacht bei Sedan und nicht das Zündnadelgewehr. Sowohl Franzosen als auch Preußen benutzen damals bereits die Hinterladersysteme.


Allerdings schossen die französischen Chassepotgewehre bis zu 1600 Metern, während Dreyse Zündnadelgewehre nur bis auf 300 Schritt (225 Meter) zielgenau waren. Vor den Düppeler Schanzen sind als Offensiv- und nicht als Rückzugsstellung konzipiert – also vor allem, um von dort Ausfälle gegen die Flanke eines Feindes zu unternehmen und nicht, um sich darin gegen eine Belagerung zurückzuziehen.


Die zehn Schanzen sind mit 84 schweren Geschützen bestückt, die Dänen können wegen der unterlegenen Logistik jedoch kaum weitere Artillerie nachführen. Zwar heben sie mit dem Einsetzen des Tauwetters Laufgräben aus, um die Schanzen zu einem zusammenhängenden Befestigungssystem zu verbinden und errichten Palisaden mit oben spitz zulaufenden Pfählen sowie Wälle aus dem erst kürzlich erfundenen Stacheldraht.  Doch den immer stärker werdenden Beschuss können sie nicht verhindern. Ab 15. März beginnen die ersten drei preußischen Batterien die Schanzen unter Feuer zu nehmen.  463 Granaten schicken die Angreifer am ersten Tag hinüber. Ab dem 2. April verstärken die Angreifer ihren Beschuss massiv. Auf der ganzen Frontlinie gehen 3721 Granaten nieder, bis zum Sturm der Düppeler Schanzen am 18. April werden es 67766 sein.


Mit der Eroberung der Schanzen am 18. April und der Aufgabe der Festung Fredericia war die Niederlage Dänemarks besiegelt, auch wenn der Krieg erst im Oktober mit dem Frieden von Wien endete.

Durch den deutsch-dänischen Krieg verkleinerte sich der dänische Herrschaftsbereich zum zweiten Male im 19. Jahrhundert, da die Herzogtümer nicht mehr von Kopenhagen aus regiert wurden. Dänemark hatte bereits im Frieden von Kiel vom 14. Januar 1814 Norwegen an Schweden abtreten müssen. Wie der zeitgleich stattfindende Bürgerkrieg in Nordamerika zeigte der Krieg um Schleswig-Holstein erstmals Elemente moderner Kriege: die strategische Bedeutung der Eisenbahn beim Transport, die zunehmende Bedeutung von Informationen und Nachrichtenübertragung sowie der Einsatz von weitreichenden Hinterlader-Kanonen mit gezogenen Läufen.



Der Deutsch-dänische Krieg bildete den Auftakt der „Reichseinigungskriege“ (dazu noch Preußisch-Deutscher Krieg 1866 und der deutsch-französische Krieg 1870/71), die zwischen 1864 und 1871 zur Entstehung des Deutschen Reiches unter der Führung Preußens führten.


  Quelle: https://www.shz.de/6212076 ©2018

Interessante Museen befinden sich zu diesen Themen in Haithabu, Danewerk, Düppeler Schanzen (DK) und Idstedt. Nach dem 1. Weltkrieg wurden die Grenzen neu geordnet, und nach dem 2. Weltkrieg entstand das Bundesland Schleswig-Holstein. Die Landeshauptstadt wechselte von Schleswig nach Kiel, die Stadt Schleswig bekam dafür unter Anderem die Landesmuseen.
Internierungslager Frøslevlejren bei Padborg
Die deutsche " Sicherheitspolizei" in Dänemark erichtete 1944 das Lager. Der Betrieb war wie in anderen KZ-Lagern organisiert. Über 1000 Gefangene wurden in deutsche Lager deportiert und kamen zum Teil dort ums Leben. Nach der deutschen Kapitulation am 5. Mai 1945 in Flensburg wurde der "Spiess" umgedreht und dänische "Landesverräter" kamen in das Lager. Das Lager ist noch original erhalten und kann kostenlos besichtigt werden. Es grenzt direkt an den Hundewald. Anfahrt siehe dort.

Landeswappen mit Nesselblatt und 2 Löwen